Umweltschutz - wo bleibt der Innenweltschutz?

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Von und über Umweltschutz spricht heute jeder und täglich. In Schulen und Kindergärten, in den Medien und bei täglichen Diskussionen - der Begriff gehört heute wohl zu den meist-benutzten in der deutschen Sprache.

Regen- und Tropenwälder, Seen und Flüsse, das Artensterben in Flora und Fauna, Smog und Lärm, Müll und dessen Verbrennung, fossile oder regenerierbare Brennenergie, Atomausstieg und Ökosteuer, Wind- und Solarenergie, Treibstoffe aus Rapsöl und Wasserstoff, Katalysatoren und das Ozonloch - die Flut der sich um diese Thematik rankenden Lebensbereiche überwältigt den Menschen schier.

Der Begriff wurde Ende der 30er Jahre von dem heute in Salzburg lebenden Professor Günther Schwab eingeführt, der damals als junger Waldmeister gravierenden Nadelfall und aberrativen Wuchs bei Laubbäumen beobachtete. Mit den Einnahmen aus seinem Roman "Der Förster vom Silberwald" und dessen Verfilmung finanzierte er den Aufbau des ersten Baumschutz-Vereins. Er darf insofern als einer der Urväter der Grünen-Bewegung gelten - von denen er sich allerdings rasch wieder lossagte, als er deren populistische Tendenzen erkannte.

Bei ihrem in höchstem Maße unterstützenswerten Eintreten für Fauna und Flora, Luft, Boden und Wasser übersehen jedoch die meisten Menschen, daß es zu jener schützenswerten Umwelt, unserer Außenwelt, auch noch eine andere, beileibe nicht minder wichtige Welt gibt, die es zu schützen gelte: Unsere persönliche Innenwelt.

Es mutet mitunter schon merkwürdig an, wie engagiert manche Menschen gegen Atomkraftwerke, den Transport von nuklearem Abfall und für den Tierschutz eintreten, mit sich selbst hingegen sehr wenig pfleglich umgehen.

Auch auf die Gefahr hin, der Verallgemeinerung geziehen zu werden: Oftmals vermittelt das mutige, engagierte Eintreten dieser Menschen den Eindruck, als kompensierten sie damit all den Frust und persönlich empfundenen Distreß, der ihr eigenes System, ihre Innenwelt, wie ein Schraubstock gefangen hält. Je exzessiver, rücksichts- und bedenkenloser manche Zeitgenossen für die Außenwelt eintreten, desto größer scheint der Haß auf ihr menschliches Umfeld - Establishment genannt -, von dem sie sich ausgegrenzt, überrollt und ihm nicht zugehörig fühlen.

Wenn Umweltschutz dieser Art nur als Ersatzvehikel dient, als Antipode zu einer Gesellschaft, von der sie sich im Stich gelassen fühlen, gewinnt der Umweltschutz eine nahezu pathologische Komponente, die sehr nachdenklich stimmen muß. Gerade die Radikalität, mit der viele Umweltschützer zu Werke gehen, eine exzessive Intoleranz gegenüber durchaus bedenkenswerten Gegenargumenten und mitunter sogar eine die eigene Physis wie auch die der Gegner bedenkenlos gefährdende Vorgehensweise, passen erstaunlich wenig mit den vorgeblich humanistischen und ethischen Zielen zusammen, die zur Grundlage eigenen Handelns erkoren werden.

Umweltschutz eignet sich denkbar schlecht dafür, eigene Ängste, mangelnde Selbstbestimmtheit, angekratztes Selbstvertrauen und ein sich-der-eigenen-Verantwortlichkeit-Verweigern zu kompensieren. Eine unbedacht hastige Sprache, unhygienische Schmuddeligkeit, eine (zumeist nur die eigene Unsicherheit signalisierende) zur Schau gestellte Unkonventionalität - schreiender Protest gegen jede Üblichkeit - sind ein beredter Spiegel geringer Harmonie mit dem eigenen Inneren. Was nützt es, über Landstraßen wandernde Kröten zu schützen, wenn man sich gleichzeitig so hoffnungslos darin verstrickt sieht, im täglichen Leben eine "Kröte" nach der anderen zu schlucken, weil man mit seiner Umwelt nicht zurechtkommt.

Daß in unserer komplexen Welt kaum eine Aussage unwidersprochen bleiben kann, sich jedem Argument auch ein Gegenargument hinzugesellen läßt und - mit Ausnahme eines Schattens - buchstäblich alles zwei Seiten hat, bedarf keiner langen Diskussion. Wer mit Moral argumentiert, darüber aber die eigene Ethik vergißt, mag nach außen als bewundernswert, engagiert und mutig erscheinen, innerlich jedoch mehr und mehr "vor die Hunde gehen".

Wäre es nicht mindestens ebenso wichtig, wenn nicht gar wichtiger, mehr für den Innenwelt-Schutz - den eigenen wie auch den des Mitmenschen - einzutreten, um dann aus einer starken und gesunden Harmonie von Geist und Seele, Verstand und Empfindung, Wissen und Gefühl daran zu gehen, sich für die Umwelt und deren Schutz einzusetzen?

Muß nicht der Entwicklung eines gesunden eigenen Selbstverständnisses schon im Elternhaus und in der Grundschule oberstes Augenmerk geschenkt werden, um mit Hilfe eines geklärten Selbstbildnisses dann auch ein unverkrampftes Verhältnis zur Umwelt, für die Chancen und Gefahren des technologischen Fortschritts und aller evolutionären Tendenzen in unserem Umfeld zu entwickeln?

Die zunehmenden Diskussionen um das wachsende Gewaltpotential in Schulen, scheinbar unverständliche Amokläufe durchgeknallter Zeitgenossen, die stark gesunkene Hemmschwelle bezüglich des Einsatzes von Waffen, eine zusehends verballhornte Sprache (beileibe nicht nur unter Jugendlichen!) - die, wie ich meine, durch die Rechtschreibreform in ihrer Beliebigkeit sogar noch "gefördert" wurde -, das Problem unangeleinter (Kampf-)Hunde und die zunehmenden Tendenzen in Wirtschaft und Politik, durch Korruption oder widerrechtliche Vorteilsgabe eigene Ziele zu erreichen zu suchen - all dies zeigt eigentlich nur die Hilflosigkeit der Menschen, mit sich und ihrem Leben auf natürliche Weise zurecht zu kommen.

Die Wertsymbole einer Gesellschaft legen beredt Zeugnis davon ab, wie natürlich oder unnatürlich die in ihr lebenden Menschen mit sich selbst umgehen; wie klar und eindeutig sie sich selbst definieren; wie unzweideutig eins (oder uneins) sie mit sich leben.

Grundlage des Selbstbildes, welches der Mensch von sich selbst entwickelt, ist die Summe der Adaptionen, quasi der Gebrauchsmuster, die er im Verlauf der ersten Jahre seiner Kindheit erfährt.

Hier liegen auch die Wurzeln des Konfliktes zwischen der archaischen Natürlichkeit - was man auch als Ur-Ethos bezeichnen könnte - und den vom Kind noch unbewußt aufgenommenen Inhalten des moralischen Katalogs, auf den sich die Welt, in die das Kind hineingeboren wird, bereits "geeinigt" hat.

In dieser Zeit, etwa in den ersten vier Lebensjahren, lebt das Kind in der ständigen Kontroverse zwischen dem, was es ausprobieren, kennenlernen, untersuchen will, worauf es neugierig und woran es interessiert ist, und der Fülle von Vorschriften und Anleitungen, Geboten und Verboten, die es im Laufe der Erziehung vermittelt erhält.

Der Konflikt besteht vor allem darin, daß Ratio (Verständnis) und Emotio (Gefühl) im Laufe dieses Prozesses oftmals unterschiedliche Signale empfangen, die im kleinen Kind Zweifel und Unverständnis, Verwirrung und Hilflosigkeit hervorrufen. Die Prägung unseres Bewußtseins erfährt also im Kindesalter einen regelrecht verheerenden Kampf zwischen endogenen Wünschen und Bedürfnissen einerseits (zu denen auch Neugier und Interesse an/gegenüber allem gehört, dem es begegnet) und exogenen Determinanten, denen das Kind ob seiner physischen und psychischen Abhängigkeit machtlos gegenübersteht. Daß sein bohrendes "Warum" zu sehr unverständlichen Antworten führt, bisweilen sogar mit pädagogisch wenig hilfreichen Antworten ("Frag nicht so dumm!") beschieden wird, trägt nicht nur zur Klärung der Umstände für das Kind nicht bei, vielmehr erhöht es den Grad der Verwirrung und legt den Grundstein für das "Gewissen" (Freud nannte dies das "Über-Ich"): Das kann ich nicht; das geht eben nicht (auch wenn ich nicht weiß, warum); dafür bin ich zu dumm; das ist (eben) nicht erlaubt.

Just in dieser Zeit tritt ein schizophrenisierendes Moment in das Leben des Kindes: Die persönliche, archaisch-determinierte Ethik wird mit der exogen genormten Moral konfrontiert. Das Kind beginnt zu begreifen, daß es sich dieser öffentlich-vertretenen und gelehrten Moral unterzuordnen hat und der eigenen Ethik besser nicht (ver-)trauen sollte. Da letztere aber nie gänzlich verstummt - sie scheint als dunkle Ahnung immer wieder auf -, ist ein lebenslanger Konflikt vorprogrammiert, der uns auch lebenslang beschäftigt - mit teilweise geradezu dramatischen Auswirkungen.

Mitleid und Mitgefühl

Für beide Regungen sind wir empfänglich - wenngleich aus unterschiedlichen Motiven. Beide provozieren in uns auch unterschiedliche Denk-, Gefühls- und Handlungsmuster. Je sympathischer uns der von einem Schicksalsschlag Getroffene ist, desto eher und mehr empfinden wir Mitgefühl und Mitleid. Während Mitgefühl jedoch aus einem Empfinden der Gemeinsamkeit resultiert und uns über Möglichkeiten nachdenken läßt, dem anderen zu helfen, ihn zu trösten und altruistisch handeln läßt, fallen wir beim Mitleid buchstäblich in eigene Schmerz-, Verlust- und Versagensängste. Wir leiden also mit, was uns - je mehr, desto mehr - in eigene Hilflosigkeit fallen läßt und der Möglichkeiten beraubt, klar durchdacht Hilfe zu leisten.

Selbst im Mitleid verhaftet, übernehmen wir den Konflikt des anderen - in all seiner Hilflosigkeit. Wir stehen ebenso zerrissen zwischen dem, was wir wollen, und dem, was wir gerade gewärtigen, wie unser Gegenüber. Im Mitgefühl stehend sind wir zwar bereit, den Schmerz des anderen zu teilen - weil wir ihn nachvollziehen können -, entziehen uns aber des Mit-Leidens (was Bedauern und eigene Traurigkeit beileibe nicht ausschließt). Der mit-Leidende stürzt also - mangels einer starken G-S-Basis - in die gleiche Hilflosigkeit, während der mit-Fühlende - auf einer starken G-S-Basis fußend - dem anderen zur Seite stehen, ihn trösten, ihm möglicherweise helfen kann.

Mut, Tapferkeit, Tollkühnheit

Mutig handelt derjenige, der in voller Kenntnis um die Folgen seines Handelns aktiv wird, weil er sich dazu aufgerufen fühlt und auch dazu bereit ist, eigene Nachteile in Kauf zu nehmen, um zu helfen. Mut verlangt also eine geklärte G-S-Basis. Tapferkeit hingegen beschränkt sich vornehmlich auf physische Aktivität und zeugt insoweit vornehmlich von körperlicher Durabilität. Sie verlangt jedoch nicht notwendigerweise auch ein vollständiges geistiges Erfassen der gerade vorliegenden Umstände. Tollkühnheit bezeichnet zwar einen hohen persönlichen (meist physischen) Einsatz, entbehrt aber geistiger Determiniertheit, des Einsatzes von Klugkeit und Verstand und sogar einer Bewußtmachung möglicher Folgen des eigenen Handelns.

Zivilcourage ist also - wort- und sinntreu - ein hohes Maß von Mut und Mitgefühl, während Tapferkeit als Konglomerat von Mitgefühl und Mitleid zu sehen ist, wohingegen Tollkühnheit allenfalls Mitleid, weitgehende eigene Entscheidungsunfähigkeit und oft bedenkenlose Rigorosität verkörpert.

Diese beiden Beispiele mögen genügen, um daraus das Folgende abzuleiten: Der lebenslange Umgang mit uns selbst (einerseits) und unserem Umfeld (andererseits), die Art und Weise, wie wir uns als Kollegen und Freunde, Lebens- und Berufspartner, kurz: als Mitglied der jeweiligen Teil-Sozietäten unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung als Mitläufer oder Mitgestalter ins Leben stellen, hängt also ursächlich davon ab, wie wir mit dem Konflikt von endogener Ethik und exogener Moral zu leben lernen, wie geklärt unser Selbstbild ist, bzw. wie unklar, undefiniert und hilflos wir uns selbst gegenüberstehen.

Hieraus erklärt sich auch der Unterschied oftmals falsch verwendeter Pseudo-Synonyma, wie beispielsweise Moral versus Ethik. Die Behauptung der Vertreter des Sozialismus, Ethik sei das theoretische (wissenschaftliche) Gedankengebäude für die praktizierte Moral, ist natürlich blanker Unsinn und dialektische Geisterfahrerei. Es ist aber viel bequemer, lautstark verkündete Parolen zu übernehmen, statt Begrifflichkeiten und Zusammenhänge selbst zu hinterfragen. Davon lebten die Volksverführer aller Zeiten, die Hitlers und Stalins, die Marx und Lenins, geistliche und weltliche Rattenfänger, zu denen sie getrost auch nahezu alle heutigen Bundes-, Landes- und Kommu-nalpolitiker addieren dürfen - sonst kämen sie über eine parteiinterne Karriere als Plakatkleber nämlich nicht hinaus. Ob "Obelix" Kohl oder Bonvivant Schröder - jeweils von Hofschranzen und Steigbügelartisten eskortiert -; Hauptsache, sie reden der bequemen Volksmasse nach dem Munde, halten die Störer unter Kuratel (die Parteien besetzen deshalb auch die obersten Gerichte nach Parteizugehörigkeit), arrangieren sich mit den Kirchen, kontrollieren die Medien und das Finanz-wesen, vor allem jedoch die Bildung (dazu später mehr).

In gleicher Weise gilt es zwischen Sturheit und Konsequenz, Gewalt/Zwang und Macht, labil und flexibel, Gehirnwäsche und Erziehung, Grübeln und Nachdenken, verschämt und bescheiden sowie vielen anderen Gegensatzpaaren zu unterscheiden. Ihnen allen ist gemein, daß ersteres jeweils exogen determiniert und von normierter Angepaßtheit geprägt ist, während letzteres endogener Motivation,

eigener Überlegung und Bestimmtheit entspringt.

Wofür wir uns einsetzen - aus einem klaren Verständnis der Zusammenhänge und in sauberer Akkordanz mit eigenem DenkFühlen - oder wofür wir uns "einspannen" lassen - unbeachtlich eigenen DenkFühlens von dritter Seite manipuliert und ohne klar definiertes eigenes DenkFühlen -, hängt also davon ab, wie geklärt unsere Innenwelt ist, bzw. wie verwirrt und hilflos (bis an die Grenze der Resignation) wir unserem eigenen DenkFühlen und somit dem, was unsere Innenwelt ausmacht, gegenüberstehen.

Tolerante und morbide Systeme

Um es gleich (und für alles fortfolgende) vorwegzunehmen: Systeme sind nicht per se unnatürlich und destruktiv. Wenn verschiedene Einzelteile ein jeweils einander zuträgliches Maß an Harmonie (d.h. Gleichklang), eine Balance gegenseitiger Akzeptanz gefunden haben, was dann wiederum allen gleichermaßen gestattet, sich zu entwickeln und auszuleben, bilden sie ein tolerantes, nachhaltig stabiles System. Beispiele hierfür finden wir zuhauf in der Natur - im subatomaren, im molekularen Bereich, in der Flora und Fauna (Taucher und Gärtner, Wildhüter und Naturliebhaber kennen diese Phänomenologie toleranter Systeme und schätzen sie) wie auch im Kosmos insgesamt.

Überwiegen jedoch die Parasiten - unbotmäßige Nutznießer, die ihrerseits kaum oder gar keinen Einsatz für das System einbringen -, kippt das System, wenn es sich dieser Schmarotzer nicht zu entledigen versteht. Vergiftet, entmündigt und entrechtet ein System also seine kleinsten Bestandteile - z.B. die Innenwelt (Lebensdreiecke) der in ihm lebenden Menschen -, so zerstört es sich damit nachhaltig selbst - je mehr, desto schneller. Von derartigen morbiden Systemen kennen wir genügend, wir beschränken uns jedoch zumeist darauf, nur diejenigen wahrzunehmen (und ihnen möglichst geschickt auszuweichen), die uns unmittelbar betreffen und stören.

Bietet also ein System - frei und schematisch offen - dem Einzelnen Räume, seine Innenwelt zu entfalten, sich neugierig und interessiert (hieraus erwächst Kreativität) als Teil des Ganzen einzubringen, gedeiht und wächst auch das System als Ganzes. Es wächst flexibel und kraftvoll in natürlicher Schematik bis an die Grenzen seiner eigenen Sinnhaftigkeit - einer Logik entsprechend, der sich pseudo-logisches menschliches Denken jedoch bislang verschließt.

Die Grundsubstanz des Menschen - seine genomischen Voraussetzungen - ist eigentlich noch sehr natürlich. Bereits in der pränatalen und der perinatalen, vor allem jedoch in der postnatalen Phase und in den ersten Jahren seiner adaptiven Phase (davon vielleicht 90% in den ersten vier Jahren) wird der Grad der Natürlichkeit weitgehend determiniert, mit der der Mensch sein weiteres Leben durchwandert. In dieser Lebensphase gelegte Grundmuster dominieren seine natürliche bejahende, schematisch offene Haltung, aber auch seine normiert-systemische Abwehrhaltung, seine Starrheit und ängstlich-mißtrauische Grundhaltung.

Hieraus ergeben sich zwei grundsätzlich unterschiedliche Lebensbilder: Eine sauber-geklärte Innenwelt stellt die Basis für kooperatives Handeln, eine hohe Motivation, eine freudvolle und kraftgebende Übereinstimmung mit dem eigenen Ethos dar. Dem dieserart determinierten Menschen stehen alle seine Kräfte zu praktischer Umsetzung und einer fast grenzenlosen Verwirklichung seiner Fähigkeiten zur Verfügung. Er bleibt nicht in Systemen und schierem Pragmatismus verhaftet, vielmehr öffnet er sich bereitwillig und ganz schematisch allem und jedem, was sein Interesse und seiner Neugier berührt - von den Grenzen seiner Physis und der ihm zur Verfügung stehenden Zeit einmal abgesehen. Er handelt freiheitlich-selbstbewußt, ist von positiver Aggressivität und Handlungsbereitschaft erfüllt, übernimmt Verantwortung, ohne sich dabei zu übernehmen, sucht nach Gründen und Wegen, determiniert Ziele und sucht diese nach bestem Vermögen zu verwirklichen. Er führt verantwortungs-bewußt, hat aber andererseits auch kein Problem damit, fremde Führerschaft und echte Autorität anzuerkennen. Beider unterstellt er sich problemlos, wenn dies sachlich gerechtfertigt und Ziel-dienlich geboten ist.

Der exogen determinierte Mensch hingegen, für den seine eigene Innenwelt im Dunkeln liegt, unterwirft sich - beileibe nicht freiwillig, vielmehr mangels für ihn ersichtlicher Alternative - der öffentlichen Moral, den gegebenen Systemen. Er ist anfällig für Manipulationen jedweder Art, beugt sich um den Lohn der Anerkennung seiner Umwelt (in Form von "Bewunderung" und Zuwendung, Reichtum und Ruhm, Titel und Ehrungen) auch korruptiven Mechanismen. In der Menge anerkannt zu sein, gibt ihm ein Gefühl gesteigerten Selbstwertes, normativer Sicherheit und Bestätigung. Zu eigenen "Zielen" erklärt er, was die Umwelt ihm aufgibt und inwieweit sie ihn gewähren läßt. Wird er gar mit System-dienlichen Aufgaben betraut (z.B. als Manager in einer Firma, Abteilungsleiter in der Bürokratie etc.), empfindet er dies als Beweis eigener Höherwertigkeit.

So antipodisch und fragmentarisch diese Gegenüberstellung sein mag, so deutlich macht sie, worüber Philosophen und Dichter seit 3.500 Jahren nachdenken, was Humanisten und Sozialethiker zu (er)klären suchen, was (vorgeblich und vermeintlich) Gesetze regeln und pädagogisch wertvolle Erziehung bewerkstelligen soll.

Perfiderweise stellen die vorgeblichen Ziele der meisten im System operierenden Institutionen und Organisationen genau das Gegenteil dessen dar, was sie tatsächlich wollen. Nichts wäre denjenigen, die von den heutigen Gesellschaftsstrukturen, der Hilflosigkeit der meisten Menschen und deren daraus resultierender Abhängigkeit von den Systemträgern nämlich weniger zuträglich, als wenn der Mensch tatsächlich in ethisch-fundierter Selbstbestimmtheit sein eigenes Leben führen und in Kooperation mit seiner Umwelt handeln würde. Dies enthöbe nämlich die innerhalb des Systems "erfolgreich" operierenden und eben von diesen geschaffenen Systemen in hohem Maße profitierenden Menschen all dessen, wofür sie sich manipulativen Zwängen unterworfen, die "Kunst" der Korruption erlernt, pragmatischem Denken unterstellt und die eigene Innenwelt geopfert haben - der Bequemlichkeit, der Sicherheit und der Berechenbarkeit, die eben nur das System - Judaslohn des Verrats am eigenen Wesen - zu bieten vermag.

Die Aufgabe des eigenen Wesens und die Blindheit gegenüber der eigenen Innenwelt - denken Sie an die drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - sind der Preis des Individuums an das System. Nur wer diesen Preis zu zahlen bereit ist - je mehr, desto mehr -, dem verspricht das System seinen Schutz, seine Anerkennung, "soziale" Sicherheit, Wohlergehen und Wohlstand. In dem Maße, in dem sich der Einzelne der Moral des Systems unterwirft, verspricht das System ihm also Abhilfe bezüglich der Ängste und Unsicherheiten, in die das System ihn zu Beginn seines Lebens geführt hat. Das System nährt sich also geradewegs dadurch, daß es Menschen in den frühesten Lebensjahren systemisch-abhängig macht, den Menschen also quasi als Schlachtvieh für sich selbst mästet.

Je mehr hierbei das System - respektive seine Subsysteme - das DenkFühlen der Menschen unter sein Joch zwingt, desto leichter sind die derart unter Kuratel gehaltenen Menschen auch zu unnatürlichem, d.h. eigentlich ihrer Inneren Stimme widerstrebendem Verhalten zu bewegen. Auf diesem "Humus" autoritär-angemaßter Bestimmtheit gedeihen dann Ausländerhaß und Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und alle Arten von Ideologien und ...ismen, die der Einzelne strikt ablehnen und bei Anderen als verwerflich geißeln würde. Hier liegt der Sumpf von Sekten und der Verherrlichung von Gewalt, der Unterschied zwischen Zivilisation und Kultur. Hier liegen die Wurzeln der Religionskriege und der Kreuzzüge unter den katholischen Päpsten, wie auch jedweden sonstigen Fanatismus’. Hier legte der von Millionen Protestanten verehrte Luther seine volksverhetzende Saat, als er dazu aufrief, "Türken, Bauern, Prostituierte, Andersgläubige und insbesondere Juden zu töten und den Flammen zu überantworten" - woraus die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und Millionen Toter in den letzten Jahrhunderten erbitterten religiösen Fanatismus’ erwuchsen.

Für ihren Erfolg benötigen die "Wächter systemischer Ordnung" also immer bereitwillige Protagonisten, mit Hilfe deren sie dem Volk suggerieren, was dieses zu tun, welcher Meinung es zu sein, was es zu glauben und wofür es zu stimmen habe - was dann zynischerweise "demokratisch" genannt wird.

Je länger ein (Sub-)System existiert, desto schwerer fällt es den darin (durch Üblichkeit) Gefangenen, zu erkennen, was hier mit ihnen geschieht, umzudenken, sich auf wahre Werte zu besinnen und sich neu zu orientieren - nämlich auf ihr eigenes DenkFühlen.

Deshalb konnten menschenverachtende staatliche Systeme: der sogenannte Sozialismus, das Kohl-System, Pol Pot und Idi Amin, Hitler, Stalin und Mao, aber auch die "christlichen" Kirchen und moderne Sekten solange ihr Treiben fortsetzen. Aus gleichem Grunde wird von Reformen - Renten, Gesundheit, Bildung, Parteiendiktatur u.v.m. - jahrzehntelang nur fabuliert, statt daß auch nur einer der im System verhafteten Politikaster es auch nur wagen würde, wirklich und bedarfsgerecht zu handeln; er würde das System, was ihn so teuer entlohnt, gefährden, eventuell sogar brechen! Gerade seine Systemtreue garantiert ihm aber den Eigenwert, den er nur durch exogene Bestätigung realisiert sieht, endogen hingegen nicht erfährt.

In dieser Weise sichert sich das System in einer Art "faustischem Pakt" die sklavische Abhängigkeit seiner Vasallen, die sich ihm in selbstverachtender, aber das System wahrender Weise opfern - leider nicht nur selbst, sondern auch diejenigen, denen sie sich als "Diener" (wörtliche Übersetzung von Minister), "Wegbegleiter" und "Spielgefährten" (wörtl.: Pädagogen) anbieten.

Andere dieser Systemlakaien wüten als Funktionäre im Dienst von Subsystemen - Gewerkschaften und Kirchen, Ämtern und Behörden, Verbänden und Organisationen, öffentlich-"rechtlichen" Institutionen und als "Vertreter von Recht und Ordnung", als hochdotierte Manager in großen Konzernen (ohne die leiseste Ahnung, daß "manu agere" nicht führen, sondern erledigen bedeutet) -, wobei man gerechterweise konzedieren sollte, daß die meisten dieser Systemlakaien gar nicht wissen, was sie da eigentlich tun.

Das überwiegende Gros der Heroen, die wir feiern und ehren - in der Politik wie im öffentlichen Leben, sogar in der Musik und im Sport, in Kunst und Kultur -, erfüllen zumeist nur den "Sinn", eine faszinierte und paralysierte Masse von einer mutmaßlich erschreckenden endogenen Selbstschau abzuhalten und - zumindest für eine Weile - exogen zu beeinflussen, zu unterhalten, abzulenken und ihnen einen scheinbaren Lebenssinn zu schenken.

Wenn Boxkämpfe und "Reality"-shows, Stier-, Hahn-, Hunde- und Bärenkämpfe wöchentlich Millionen Menschen in ihren Bann ziehen und dafür Unsummen an Preisen einerseits bezahlt und andererseits ausgelobt werden, heißt dies nicht, daß alle diese Zuschauer grausame Monster sind.

Nein, sie wissen buchstäblich nicht, was sie tun. All das, was sie dabei sehen, widerspiegelt genau das
- Tod und Schmerz, Niederlage und Verlust als Verlierer, bzw. Sieg und Macht, Ruhm und Gewinn als Sieger -, was sie in ihrem eigenen Leben so fürchten bzw. sich sehnlichst erträumen.

In ultimativer Form gewärtigen wir dieses Phänomen heute in den USA, dem vielleicht systematisiertesten (systemisch traumatisiertesten) Land der Welt, wo einzelnen Sportlern und Managern inzwischen neunstellige Jahresgagen dafür bezahlt werden, daß sie als Stellvertreter derer, die für diesen Aberwitz bezahlen, deren Wünsche und Träume vorgeblich verwirklichen.

Im gleichen Siel systemischer Pathologie finden wir die Horror- und Gewaltfilme, ein das Nervengeflecht zerstörendes und a-melodisches Gedröhne bestimmter Perversionen von Musik. Auch hierbei werden exogen Reize und Stimmungen erzeugt, die eine eigene (endogene) Anteilnahme verunmöglichen, bzw. ersetzen sollen. Im Gegensatz hierzu berührt klassische Musik die eigene Empfindungswelt. Sie läßt eigenes Mitschwingen, -singen und -summen zu, statt ohrenbetäubendes, eigener Sinnlichkeit beraubtes Gegröle und orthopädisch bedenkliche Verrenkungen zu provozieren.

Abgestumpfte Sinne rufen nach immer stärkeren äußeren Reizen und senken die Hemmschwelle der Bedenken. Sie lassen uns immer weniger auf innere Empfindungen hören, die uns ganz genau wissen ließen, was wir suchen und genießen, was wir uns erhoffen und ersehnen, woran wir uns zu erfreuen vermögen - wenn wir uns dessen eben bewußt wären.

Diese Innere Stimme weiß auch nur zu gut, was fair und gerecht, gut und sauber ist. So ist das Gros der Hooligans - dessen bin ich absolut sicher - als Einzelwesen reichlich harmlos, wahrscheinlich regelrecht feige, angepaßt und unauffällig, allenfalls ein wenig großmäulig. Überschreitet aber der Grad der Enthemmung - ausgelöst durch den exogenen Zwang der Gruppe, katalysiert durch Alkohol und/oder Drogen und unterlegt durch zusätzliche Feindbilder (Ausländerhaß, Fremdenfeindlichkeit), falsche Heldenbilder und kollektive ("solidarische") Phobien (gegen die Reichen, die Unternehmer, die Andersdenkenden, Hausbesitzer/Vermieter, Raucher, Flüchtlinge, Kapitalisten, Sozis, Nazis, etc), werden eigenes Gefühl und die Innere Stimme dem "Konsens" einer eigener Verantwortlichkeit enthobener Gruppe unterworfen, die zu einem regelrechten Wahnsinn führt, der sich bis zum Pogrom ausweiten kann. Da gebärden sich glühende (!) Antifaschisten plötzlich höchst faschistisch-intolerant, werden friedliche Alltagsbürger zu Killern und Kinder zu Bestien. Verwirrt und ratlos reagiert dann die Umwelt, die sich nicht erklären kann (will?), was da geschieht.

Nun wäre allenfalls zu fragen, warum sich das System in seiner berechnenden Perfidie eigentlich antut, sich selbst immer wieder durch soziale Konflikte und Kriege zu gefährden?

Nun, wie wir wissen, gibt es im gesamten Kosmos keine absolute Starre. Selbst für uns scheinbar tote Gegenstände (z.B. anorganische Stoffe) sind atomar und subatomar höchst aktiv und beweglich. Insofern pulst auch ein System ständig Dem System muß es hierbei nur darum zu tun sein, Neuerungen und Fortentwicklungen des Bestehenden (Erfindungen, neue Techniken usw.) unverzüglich wieder unter Kuratel zu bekommen, um sie damit System-dienlich einsetzen und verwerten zu können. Dem dienen die meisten Gesetze und Verordnungen, Richtlinien und Vorschriften. Um diese jedoch der Fragwürdigkeit eines Zwanges zu entheben, dienen soziale Probleme (Hunger und Not, Kriminalität und Krankheiten, Unfälle und Katastrophen - bis hin zu Kriegen) dem System als Vorwand, durch Gesetze und diese überwachende Bürokratie die in ihm lebenden Menschen hoheitlich zu schützen. In Wirklichkeit stellt die öffentlich-rechtliche "Schutz"funktion nur die korruptive Methode dar, durch die Entmündigung des Einzelnen und die Konformisierung des Individuums sich selbst zu bewahren und die Kontrolle nicht zu verlieren.

Um so harscher reagiert das System, wenn es - was immer wieder vorkommt - einem Einzelnen einfällt, sich mit Hilfe eines geklärten Innenwelt-Verständnisses dem System in den Weg zu stellen. Da dies bestimmte Voraussetzungen verlangt - Autarkie, autonomes Denken und seelische Freiheit -, die (in toto) nur sehr selten gegeben sind, lebt das System bzw. seine Sub-Systeme in der aus Erfahrung resultierenden arroganten "Sicherheit", daß die Zahl dieser exformativen Gefährder sehr gering ist. Sobald das System jedoch einer ernsthaften Gefährdung seiner selbst gewahr wird, reagiert es mit Ausschluß, Bedrohung oder in letzter Konsequenz mit Gewalt. Scheinheilig schmückt sich das System mit hohen Freiheitsgraden und hehren Zielen - Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, dem Ruf nach Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit u.v.m.. Hinterfrägt man diese Vokabeln jedoch genauer, offenbart sich, daß dies in Wahrheit nur Potemkin’sche Dörfer sind, es also nur um vorgespiegelte Pseudo-Freiheiten geht, mittels derer das System seine eigene Existenzberechtigung unter Beweis stellen und seine eigene Systemik zu schützen versucht. Der Grad der Entmündigung, in dem ein System die in ihm lebenden Menschen hält, determiniert seine Macht und Existenz-"Berechtigung" - und seine eigene Unsicherheit! Auf die Paraforanden und Metaforanden, die Methoden systemischen Selbsterhaltes kann und soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Wüßten die hehren Streiter für Recht und Ordnung, Umweltschutz und Bildung, Sicherheit in Technik und Verkehr, die Protagonisten weltlicher und geistlicher Moral (nicht Ethik), Ärzte und Rechtsanwälte, Gesundheits- und Ernährungsfanatiker, Forscher und Erfinder, in welch hohem Maße sie - nicht immer, aber allzumeist - nur Systembewahrer und Heloten einer in höchstem Maße unsozialen Vergewaltigung des Menschen und der Natur sind, so führte dies mutmaßlich zu einem sozialpolitischen Chaos. Der homo sapiens sapiens sähe sich plötzlich seiner vorgeblichen Sapientia entkleidet und beraubt. Wohl deshalb fällt es dem System auch so leicht, nicht-systemisch Denkende auszugrenzen, sie als paranoid und destruktiv zu brandmarken und gegebenenfalls hinter Gitter zu bringen. Die Zeiten, in denen man diese Querdenker und Antisystemiker zwang, den Schierlingsbecher zu trinken (Sokrates), sie ins Exil zu schicken oder zu exekutieren, sind - zumindest in Deutschland - vorbei. Vielleicht sind sich aber auch Systeme wie das deutsche inzwischen schon zu sicher.

Systeme fressen sich auf

So schier unbezwingbar und ehern, überlegen und alles kontrollierend ein System auch scheint und sich nach außen darstellen mag - für die Ewigkeit ist keines gezimmert; über kurz oder lang setzt sich die über menschliche Hybris noch allemal erhabene Natur durch. Sie setzte dem bayerischen Straußismus in gleichem Maße ein wenig ruhmreiches Ende, wie dem Kohlismus. Das System des ödipalen Irrlichtes Marx scheiterte letztlich an seinen eigenen Zwangsmechanismen und der damit verbundenen Lähmung der in ihm gefangenen Menschen, die - entmündigt und somit kollektiv eigener Kreativität und Einsatzbereitschaft, Neugier und Visionsbereitschaft beraubt - alles nur noch Partei und Staat überließen. Auch Hitler, wiewohl von Millionen als Retter Deutschlands gefeiert und bejubelt, erlebte gerade einmal 12 der seinem Volk versprochenen 1000 Jahre.

Die Reiche der Pharaonen und Assyrer, Griechen und Römer, das Empire wie die Grande Nation, Spanier und Portugiesen, Holländer und Türken, Hunnen und Mongolen, Preußen und Österreicher, tausender Kaiser und Könige, Herrscher und Gewaltfürsten, Päpste und sonstiger systemischer Vorturner gelang es immer nur für geschichtlich geradezu lächerlich kurze Zeiträume, ihre Systeme zu zimmern und mühsam zu verteidigen, ehe diese mit einem ohrenbetäubenden Krachen und zumeist recht schmählich im Orkus der Historie verschwanden.

Hierhinter steht ein weder mathematisch noch physikalisch quantifizierbares Naturgesetz: Das Regulativ kontinuierlichen Wandels, das ständige Infragestellen seiner Selbst der Natur. Und genau dies setzt sich schon in jeder neuen Generation fort, die nicht bereit ist, das Gedankengut und die Handlungsmuster ihrer Vorgeneration kritik- und widerspruchslos zu übernehmen. Zwar mag bei einigen jungen Menschen der Akt der anpassenden Dressur so nachhaltig wirken, daß sie sich erst sehr spät (in vielen Fällen nie) aus der Systemik ihrer Erziehung befreien können, das Gros einer nach- wachsenden Generation hingegen wird eigene Wege suchen und gehen, andere Prioritäten setzen und Neues auszuprobieren suchen.

Entsprechend müßte ein intelligentes System sich darauf einstellen, anstehende Neuerungen vorhersehen und sich abzeichnende Entwicklungen vorausplanen. Genau das kann jedoch ein System nicht.

Ständig damit beschäftigt, sich selbst zu wahren, seine definitorische Masse im Zaum, bei Laune und unter Observation zu halten, zwingt das System dazu, auf inner-systemisch drohende Gefährdungen zu reagieren. Für ein nach vorne und außen gerichtetes schematisches DenkFühlHandeln fehlt dem System jede Voraussetzung. Gleiches gilt für seine Wächter und Profiteure, Abteilungsleiter und Manager, Ämter- und Behördenfürsten, die Wahrer und Verweser des Systems. Ihnen fehlt allsamt der Instinkt für die drohende Gefahr, der Blick, um die Zeichen an der Wand zu lesen, die Intelligenz für dringend nötige Problemlösungen und der Mut, sich und ihr geheiligtes System ständig zu hinterfragen, also zu agieren, bevor sie gezwungen sind, zu reagieren.

Des Systems überdrüssige Jugendliche entfremden sich ihren Eltern, Menschen ihrem Umfeld und ein Volk seiner Herrscherkaste nebst deren Heloten, um gesund zu bleiben. Werden sie gezwungen, im System zu bleiben, ihre Innenwelt damit also ihrer Umwelt zu opfern, gehen sie entweder über kurz oder lang "vor die Hunde", oder sie reagieren übersprungartig mit Gegenwehr, nicht selten mit Gewalt und - für das System unverständlich - brutal. Mitunter fallen sie dabei aber gleich dem nächsten System in die Arme (Sekten, politischen Ultras, ins Drogenmilieu oder in die Kriminalität).

Systeme sind lern-unfähig und tumb, sie predigen Pseudo-Ideale, die sie gleichwohl flugs dem Opportunitätsprinzip opfern, sobald sich dazu die Gelegenheit bietet. Auf diesem "Altar der Systemik" schlachteten die Grünen ihre vormaligen Ideale, die F.D.P. die Heuss’sche Liberalität, die Gewerkschaften das Gedankengut ihrer Gründerväter und die christlichen Kirchen (wie alle mosaischen Religionen) die philosophischen Lehren des Esseners Jesus. Auf ihm opferten die Athener Sokrates und jedes Volk seine Vordenker und Visionäre, um sich statt dessen von systemisch vorzüglich angepaßten Populisten verschaukeln und schröpfen zu lassen. Heute ist dies in Deutschland Herr Schröder, morgen vielleicht Herr Merz - es wird noch ein Weilchen dauern, bis sich der systemisch besonders "talentierte" Deutsche aus dem Klammergriff der Parteiendiktatur zu befreien lernt. Doch die Zeit und das hochintelligente "Wesen" Natur werden sich über kurz oder lang Bahn brechen - entweder in Form von und im Einklang mit einer wachsenden Zahl von Menschen, die bereit sind, (wieder) zu lernen, auf ihre Innere Stimme zu hören, ihrer Innenwelt liebevolle Aufmerksamkeit zu widmen und authentischem DenkFühlHandeln wieder einen gesunden Lebensraum zu schenken, oder in Form eines gewaltsamen Umbruchs, der mutmaßlich ein weiteres blutiges Kapitel unsäglichen Leides, schreiender menschlicher Dummheit und verheerender Brutalität zu schreiben.

Fazit: Umweltverschmutzung (-schädigung, -vergiftung, -zerstörung) ist eine mittelbare Folge der zunehmenden Innenweltverschmutzung (-schädigung, -vergiftung, -zerstörung). Sie widerspiegelt insofern im Außen, was im Innen als Prozeß abläuft.

Nicht nur dieses Phänomen gilt es zu verstehen; Innenweltschutz ist eine Frage gesamtheitlicher Bildung, und insoweit ist es völlig widersinnig, Kinder und Jugendliche von Lehrern ausbilden zu lassen, die erhebliche Defizite in ihrer eigenen Innenwelt-Beziehung aufweisen und Lehrplanerfüllungsgehilfen eines völlig erstarrten "hoheitlichen" Systems sind.

Da nützen sporadisch eingestreute Pflichtstunden zum Thema Umweltschutz herzlich wenig. Das staatliche, unter keinerlei qualitativem Wettbewerb stehende Schulsystem ist schnellstens zu beseitigen. Daß dies sehr wohl funktioniert, beweisen andere hoch-zivilisierte Länder (u.a.: Österreich, England, Schweden, die Schweiz, Holland ,die USA und Kanada). Außerdem sollten Menschen, die als verantwortungsbewußte Pädagogen - dies gilt nicht nur für Lehrer, sondern für Eltern, Erzieher und Ausbilder generell - tätig sein wollen, wesentlich direkter mit der hier beschriebenen Problematik vertraut gemacht und ihnen zuvorderst Wege und Hilfen angeboten werden, mit dem eigenen Innenweltschutz klarzukommen.

Innenweltschutz - als Grundvoraussetzung eines funktionierenden Umweltschutzes - ist also eine Frage der Qualität der Bildung, woraus sich geradezu zwingend die Notwendigkeit der Entstaatlichung und Ent-"Hoheitlichung" des Bildungswesens ergibt, will man nicht "den Bock zum Gärtner" machen.

Sieht man Bildung als Sammelbegriff von vermitteltem und erlerntem Wissen verschiedener Thematiken in unterschiedlicher Tiefe, so fällt auf, daß unser Bildungssystem vornehmlich auf intellektuelle und funktionale Inhalte beschränkt ist - mitunter reichlich theoretisch, bisweilen veraltet (was oft mit klassisch verwechselt wird) und weltfremd -, die ästhetischen, emotionalen Bereiche sowie der Katalog der sozialen Kompetenzen jedoch zumeist völlig vernachlässigt werden.

Der durch Adaptionen im Kindes- und Jugendalter geprägte Mensch ist diesen Determinanten für sein späteres Leben aber beileibe nicht immer gänzlich hilflos ausgeliefert, vielmehr kann er lebenslang durch angstfreies Hinterfragen, Interesse und Neugier - an sich und seiner Umwelt - sehr wohl auch frühe Prägungen "aufschließen", bewußt hinterfragen, Fehlbotschaften korrigieren und durch neue, anders-gerichtete Grundmuster ersetzen. Lassen Sie uns diesen Komplex (etwas summarisch) mit dem Begriff Psychologie bzw. Psycho-Soziologie beschreiben. Wertvolle, d.h. kompetent vermittelte und menschlich zugewandte Bildung vermag auch früher empfangene Fehlbotschaften zu entlarven und durch saubere Inhalte zu ersetzen. Eben deshalb darf Bildung aber nicht dem Selbsterhalt eines Systems dienen, das aus schierem Egoismus und einzig zum Zwecke der Normierung seiner Mitglieder handelt, sich hoheitliche Funktion anmaßt und das Individuum als Spielball der Interessen einiger weniger Dritter - der Hüter staatlicher Allgewalt - mißbraucht.

Bildung verlangt Freiheit, Toleranz, Vielfalt, freien Wettbewerb und Menschenliebe - allsamt Qualitäten, die der Staat zwar proklamiert, in Wahrheit jedoch jedwie zu vermeiden sucht.

Bildung muß daher auch theoretische und praktische Anleitung dafür beinhalten, psychosoziale und psychologische Zusammenhänge zu erkennen, angstfrei zu hinterfragen und sowohl in der eigenen Innenwelt (dem Dialog von eigener Ratio und Emotio) als auch im Polylog mit der Umwelt (in der Familie und mit Freunden, am Arbeitsplatz und in anderen Gesprächkreisen) zu erörtern, um damit einen Zugang zum eigenen DenkFühlen zu bekommen.

Es ist für das eigene Leben und die Entfaltung eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten beileibe nicht ausreichend, Cäsars Wanderwege durch Europa, das Datum der Schlacht bei Hastings und den Verlauf der sieben Kreuzzüge zu kennen, Heisenbergs Unschärferelation, den Satz des Pythagoras und einen Grundschatz an Zitaten herunterbeten zu können, nie hingegen zu lernen, auf das bisweilen hilflose Stottern des Inneren Monologs, der inneren Zwiesprache, zu hören und die eigene Gefühlswelt kennenzulernen.

Aufgabe der Bildung muß vor allem sein, die Basis für ein freud- und kraftvoll erlebtes Leben zu legen. Diese Basis liegt in der Kombination des Denkens und Fühlens, also geistiger und seelischer Elemente, aus denen dann ein gesundes Handeln resultiert. Bildung beschreibt also die Qualität und Quantität des DenkFühlens. Ihr Resultat soll ein optimiertes Denkfühlhandeln sein.

Wenn und solange Menschen unter dem Rubrum Bildung nur die Verpflichtung spüren, Wissen in der Weise und in dem Maße aufzunehmen, wie dies in der nächsten Prüfung abgefragt wird, also Test-orientiert und exogen-determiniert, statt mit Freude, Neugier und Interesse nach Informationen und Wissen zu suchen, wird jeder Schulabschluß als Befreiung von einer quälenden Last empfunden. Hieraus erklärt sich auch die Ablehnung, ja sogar der Haß vieler Menschen auf alles, was mit Bildung, Schule und Lehre zu tun hat. Denken Sie an die mahnenden Worte, die vielen Vorschulkindern in den Ohren dröhnen müssen:" Warte nur, ab nächstem Jahr geht der Ernst des Lebens los!" Sind sich die Verteiler solcher Bannbotschaften eigentlich darüber klar, welche geistig-seelische Saat sie damit legen?

Kein Wunder, daß sich Menschen nach der Schulzeit nur sehr ungern - zumeist überhaupt nicht mehr -

bereit finden, sich mit Bildung zu beschäftigen. Wieviel wertvoller und bereichernder - nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für die Gemeinschaft - wäre es, wenn Eltern, Kinder und Jugendliche, von staatlich-hoheitsrechtlicher Zwangs(ver)bildung befreit, aus einem unter den Regeln des freien Wettbewerbs laufenden Bildungsangebot wählen könnten. Aus einer anderen Einstellung zum Begriff Bildung - von Neugier, Interesse und einem Gefühl der Freude und des persönlichen Zugewinns geprägt - resultierte dann eine völlig andere Bereitschaft der Menschen im weiteren Leben, sich weiterzubilden, kontinuierlich neue Bereiche zu erschließen und bekannte zu vertiefen.

Hierzu würden sich die Menschen - ungezwungen und endogen motiviert - selbständig nach guten Lehrern (im Sinne pädagogischer und fachlicher Kompetenz) umsehen und bereitwillig lernen. Daß unter diesen Voraussetzungen die Lernbereitschaft enorm gesteigert und die innere Abwehr gegen exogen aufgezwungene Lehrinhalte in gleichem Maße abgebaut würde, liegt auf der Hand.

Nunmehr ergäbe sich folgendes Szenario: Aus schierem Eigennutz - die Psychologie spricht hier von positivem Egoismus - würde Jeder entweder als Lehrender zur Verfügung stehen (wenn er einen ent-sprechenden Vorsprung an Wissen und Erfahrung hat) oder als Lernender um Hilfe nachsuchen.

Sehr schnell würden Lehrinhalte wie auch deren Vermittler qualitativ sortiert, d.h. der Wildwuchs an teilweise katastrophalem "Bildungs"gut und das destruktive Wirken pädagogischer Irrlichter würde
- nunmehr unter freiem Wettbewerb stehend und staatlich-hoheitlicher Arroganz enthoben - sehr schnell zugunsten einer allen gleichermaßen offenstehenden Bildungslandschaft mutieren - Chancenfreiheit statt vorgeblich "sozialer", staatlich monopolisierter Chancengleichheit - verschwinden.

Weder die Genetik, noch andere Zweige der Wissenschaft werden uns zu gesünderen und besseren Menschen umfunktionieren können. So lange nicht erkannt und ohne Wenn und Aber eingestanden wird, daß nahezu alle Krankheiten in Wahrheit prädominant psychische Ursachen - eben genau diesen Verlust der gesunden Beziehung zur eigenen sauber geklärten Innenwelt - haben, wird sich an den ursächlichen Problemen des Menschengeschlechts nicht das mindeste ändern. Daß dies Mediziner und Genetiker, Techniker und Pharmakonzerne, weite Teile der Industrie aber auch Bildungspolitiker und (die meisten) Lehrer nicht gerne hören (und noch weniger glauben), liegt auf der Hand.

Wir kennen die Gestirne und den extraterrestrischen Raum heute schon besser als das eigene Ich, die eigene Innenwelt, das Vor- und Unbewußte. Wir werden wohl eher lernen, auf dem Mars menschliche Kolonien zu etablieren, als der eigenen Innenwelt, dem eigenen DenkFühlen die Wichtigkeit beizumessen, die es in Wahrheit verdient.

Andererseits, und dies macht Mut, steigt ganz offensichtlich - denken Sie an die potentiell gesteigerte Informationabilität des Menschen durch das Internet - die Zahl derer, die zweifeln und stutzen, nachdenken und überlegen.

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